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Rosa Jochmann: 125 Jahre einer Kämpferin für Arbeiter:innenrechte

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    FSG
  • vor 8 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Am 19. Juli 2026 jährt sich der Geburtstag von Rosa Jochmann zum 125. Mal. Kaum eine andere Person steht so sehr für das, wofür die FSG bis heute steht: gewerkschaftliche Solidarität, sozialdemokratische Überzeugung und der unbeirrbare Einsatz für ein gerechtes, demokratisches Österreich.


Von der Fabrik in die Gewerkschaftsführung


Rosa Jochmann wurde am 19. Juli 1901 in Wien-Brigittenau geboren, als viertes von sechs Kindern einer Arbeiterfamilie. Ihr Vater war Eisengießer, ihre Mutter Wäscherin – beide überzeugte Sozialdemokrat:innen. Als die Mutter 1915 starb, musste die vierzehnjährige Rosa Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen und gleichzeitig als Fabriksarbeiterin zum Familieneinkommen beitragen: zunächst in einer Süßwarenfabrik, später im Kabelwerk, in Tag- und Nachtschichten.


Der Weg in die Gewerkschaftsbewegung folgte fast zwangsläufig aus dieser Erfahrung. Bereits mit 21 Jahren wurde sie zur Betriebsrätin gewählt – aufgefallen war sie zuvor bei einer Gewerkschaftsversammlung durch eine mutige Wortmeldung. 1926 absolvierte sie als eine der ersten Frauen die Arbeiterhochschule in Wien-Döbling, wo sie unter anderem von Otto Bauer gefördert wurde. Im selben Jahr wurde sie Sekretärin der Chemiearbeitergewerkschaft und mit der Aufgabe betraut, die Frauen dieser Branche gewerkschaftlich zu organisieren – zu einer Zeit, in der Frauenarbeit in der Gewerkschaftsbewegung alles andere als selbstverständlich mitgedacht wurde.


Widerstand unter Lebensgefahr


Nach der Zerschlagung der Arbeiter:innenbewegung im Februar 1934 ging Rosa Jochmann in den Untergrund. Unter dem Decknamen "Josefine Drechsler" organisierte sie für die Revolutionären Sozialisten den illegalen Widerstand gegen das austrofaschistische Regime, verbreitete die verbotene Arbeiter-Zeitung und hielt Kontakt zum Auslandsbüro der österreichischen Sozialdemokrat:innen in Brünn. Im August 1934 wurde sie verhaftet und zu über einem Jahr Gefängnis verurteilt.


Nach dem "Anschluss" 1938 setzte sie ihre Widerstandsarbeit fort bis sie von der Gestapo verhaftet und in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde. Dort wurde sie unter Mithäftlingen als „Blockova Rosl" bekannt: eine Frau, die auch unter unmenschlichsten Bedingungen Solidarität organisierte und anderen Halt gab.


Aufbauarbeit nach 1945


Nach der Befreiung kehrte Rosa Jochmann nach Wien zurück und wurde zu einer der zentralen Figuren beim Wiederaufbau der sozialdemokratischen Bewegung. Sie saß von 1945 bis 1967 im Nationalrat, war Vorsitzende der sozialistischen Frauen und blieb der Gewerkschaftsbewegung zeitlebens eng verbunden. Ihr politisches Engagement verstand sie stets als untrennbar mit dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Demokratie verbunden.


Besondere Bedeutung erlangte sie in ihren letzten Lebensjahrzehnten als Zeitzeugin. Ihre Rede am Wiener Ballhausplatz 1988, anlässlich des 50. Jahrestags des „Anschlusses", ist bis heute als eindringliche Mahnung in Erinnerung – eine Mahnung, die Vergangenheit nicht zu verdrängen, sondern aus ihr Verantwortung für die Gegenwart abzuleiten.

Rosa Jochmann starb am 28. Jänner 1994 in Wien. Ihre Beisetzung geriet zu einer großen, bewegenden Kundgebung für eine Frau, die für viele zum Sinnbild für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde geworden war.


Was von ihr bleibt


Rosa Jochmanns Lebensweg – von der Fabriksarbeiterin über die Gewerkschaftssekretärin und Widerstandskämpferin bis zur moralischen Instanz der Zweiten Republik – erinnert daran, dass gewerkschaftliches Engagement nie nur Verhandlungssache ist, sondern immer auch eine Frage von Haltung und Zivilcourage.


Für die FSG in der AK Wien ist der 125. Geburtstag von Rosa Jochmann ein Anlass, an dieses Erbe zu erinnern – und daran, dass die Werte, für die sie stand, auch heute Orientierung geben: Solidarität, Gleichberechtigung und der unermüdliche Einsatz für die Rechte der Arbeitnehmer:innen.


Quellen und weiterführende Informationen: rosajochmann.at, Wien Geschichte Wiki, Frauen in Bewegung 1848–1938 (ÖNB)

 
 
 
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